Im April diesen Jahres hatte
ich das Glück, einen Lastminute-Flug von Köln
nach Heraklion, 14 Tage über Ostern für 109,--
€uro zu ergattern! Wie der Zufall es wollte (ich
wusste es!:-), traf ich am Flughafen in Köln, Klaus
Eckhardt, besser bekannt unter "Kreta Klaus"
mit seiner Frau Yvonne. Hier nun ohne weiteren Kommentar
von mir, der original Reisebericht von Klaus, in dem
er die längste, interessanteste und schönste
unserer Touren beschreibt.
Teilnehmende Personen von links: Frank, Chelmiii und
Klaus |

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Kirchen, Klöster, Kurven und "Kwellen"
(und Kalauer)
Drei Mann auf Tour im "Cinquecento" - Kreta 2004
Pünktlich um halb acht treffen wir uns wie verabredet
auf eine starke Tasse Nescafé: Chelmiii und Frank aus
dem Kreta-Forum und meine Wenigkeit. Es ist erst einmal gar
nicht so einfach, den versäumten Schlaf aus den Augen
zu reiben. Aber Punkt acht Uhr lasse ich den kleinen Fiat
("to baby sou", wie ihn Adriana aus Kalýves
ein paar Tage vorher genannt hat) an, wir verlassen den Parkplatz
des "Romantika" in Agía Galíni
und brechen zu unserer großen Rundtour zu Kirchen, Klöstern
und Wasserfällen auf, von der ich schon weiß, dass
sie in erster Linie aus Kurven bestehen wird.
Doch schon nach wenigen Metern stoppe ich den Wagen wieder,
denn mit der Lenkung stimmt was nicht. Also lieber mal die
Vorderreifen begutachten! Und siehe da, der rechte ist fast
platt. Zum Glück gibt es nur wenige hundert Meter weiter
eine Tankstelle. Frank bläst den Reifen von 0,5 wieder
auf die regulären 2 ATÜ auf. Ergebnis: Pfeifend
entweicht direkt an der Felge die Luft. Wahrscheinlich die
Folge des Loches, durch das ich vor zwei Tagen ungebremst
in Ágios Nikólaos gedonnert bin. Ein Wunder,
dass er gestern auf der Fahrt nicht in irgendeiner Steilkurve
den Geist aufgeben hat. Ich gerate in's Schwitzen ... genau
wie unser Youngster Frank, als er dann den Reifen wechselt.
Zum Glück hatte die Tankstelle wenigstens einen professionellen
Wagenheber und zum Glück haben wir das Malheur jetzt
schon bemerkt, das hätte voll in die Hose gehen können.
Frank arbeitet und wir geben unseren Senf dazu. Auf der Innseite
des Reifens ist der Mantel weiträumig aufgerissen, wie
sich herausstellt. Puuuh! Der Tankstellenbesitzer verspricht
mir bis zum Abend einen runderneuerten Reifen aufzuziehen
und so fahren wir halt ohne Ersatzreifen los. Hoffentlich
bleiben wir nicht irgendwo in der Einöde liegen, durch
die wir zu fahren gedenken.
"Heute machen wir Sight-Seeing. Der Weg ist das Ziel!"
Also nehme ich nicht die neue Straße Richtung Spíli,
sondern wir fahren erst einmal die Serpentinen nach Mélambes
hinauf, wegen der Aussicht. Und auf ein paar Kurven mehr oder
weniger kommt es nicht an!
Natürlich stoppen wir ein paar Mal, Frank will filmen
... Wir werden heute überhaupt oft stoppen, das haben
wir uns vorgenommen. Nirgendwo vorbeisausen, nur um irgendwo
anzukommen!
In Mélambes
ist es für ein zweites Frühstück doch noch
etwas zu früh, also halten wir nicht. Den Berg durch
viele Kurven wieder hinunter, dann erreichen wir wieder
die neue Straße und düsen nun fast in Richtung
Spíli. Wir sind schon fast da, als der ansonsten
bis dahin ziemlich schweigsame Chelmiii (die arme Socke
musste ja auch hinten sitzen) was von den zwölf Löwenköpfen
am dortigen Brunnen erzählt. Daraufhin beschließen
die Vorderbänkler, Chelmiii die 19 Brunnenkätzchen
persönlich zählen zu lassen, als Strafe sozusagen!
Die Durchgangsstraße von Spíli
ist auffällig leer und überall stehen Halteverbotsschilder.
Ja, denn Spili hat einen sehr großzügig dimensionierten
neuen Parkplatz mitten im Ort bekommen (hinter der Kurve
am Brunnen Richtung Réthymnon geht es links rein).
Ich fahre bis ganz hinten durch, in der Hoffnung, dass
es vielleicht einen kurzen Fussweg zum Brunnen gibt, und
Chelmiiis heimliches Flehen (er hat es nicht laut gesagt)
wird erhört. Ein paar Stufen hoch und vorbei am öffentlichen
Klo von Spíli (naserümpf!) führt die
schmale Gasse bis direkt zur Kurve mit dem Brunnen. Chelmiii
zählt und fotografiert die Löwen und uns (uns
zählt er nicht!), natürlich gibt es die obligatorische
Pausenzigarette, dann geht es weiter ...Kurz vor Koxaré
biegen wir links ein und erreichen bald die Kourtaliótiko-Schlucht.
"Chelmiii, gleich ist Fußmarsch angesagt. Mindestens
hundert Stufen runter ... und natürlich wieder hinauf!
Außer es ist zu starker Wind, dann ist die Treppe
nicht ungefährlich." |
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Chelmiii ist uns am Tag zuvor bei etwa 40 Stufen auf der
Lassíthi fast abgenibbelt. Er raucht zu viel! Aber
dennoch nimmt er die Drohung mit einem fast gleichmütigen
Gesicht hin. Er wird sich nicht unterkriegen lassen. Oder
er betet heimlich, dass es in der Schlucht wie oft, orkanartig
wehen wird ... wer weiß?
Ich will den beiden nämlich die "offiziellen"
Quellen des Megalopotamós zeigen (inoffiziell führt
die Schlucht auch weiter oben schon Wasser). Links der Straße
taucht das Steinmäuerchen auf, ich fahre aber noch ein
paar Meter weiter, um links in einer Parkbucht halten zu können.
Rechts direkt an der Felswand möchte ich das "Baby"
wegen möglichen Steinschlags nicht parken.
Und dann steigen wir hinunter, es weht tatsächlich kaum.
Ich bin in dieser Hinsicht hier ein wenig vorsichtig geworden,
seit ich vor zwei Jahren mal fast in den Abgrund geweht wurde.
Dann erreichen wir die kleine Kirche des Ágios
Nikólaos und sinnieren eine Weile, warum die
Griechen so gerne an den entlegensten Stellen Kirchen bauen.
100 Meter weiter erreichen wir dann die Wasserfälle,
die wir von der Aussichtsterrasse aus natürlich fotografieren
und filmen. Nicht ganz Niagara, aber sicherlich schöner
und beeindruckender als die zwar viel berühmteren, aber
doch eigentlich ziemlich mickrigen Fälle in Argyroúpolis
(wir werden heute noch den direkten Vergleich haben!).
Einzig dem Panorama abträglich sind die vielen schwarzen
Plastikschläuche, die zu Bewässerungszwecken von
hier wegführen. Frank steigt noch etwas tiefer, um eine
andere Filmperspektive zu haben (zu viele Schläuche),
während Chelmiii und ich wieder nach oben steigen. Chelmiii
hat es zwar schnaufend, aber diesmal doch sehr tapfer durchgehalten!
Immerhin hat uns Frank nicht eingeholt (wenn auch schon ein
bisschen aufgeholt, aber er ist ja auch über 20 Jahre
jünger als ich - und körperlich mindestens 50 Jahre
jünger als Chelmiii *g). Der braucht als erstes natürlich
ein Lungenbrötchen, dann geht die Fahrt weiter ...
Wir passieren Asómatos und Marioú und erreichen
Mýrtios. Der sonst so asketisch brave
Frank äußert den Wunsch, etwas zu trinken ... gute
Idee. Natürlich setzen wir uns ins "Panórama",
die beiden kennen diesen Superblick noch nicht, und nehmen
geruhsam unser zweites Frühstück in Form von drei
Mythos zu uns. An den Nachbartisch setzen sich zwei junge
Leute, die sich offensichtlich erst seit gestern kennen. Man
müsste noch mal zwanzig sein!
"So weiter geht's, Jungs! Frank, pack die Filmkamera
aus, Du bekommst jetzt eine weitere Schlucht vor die Linse!"
Ich fahre von unten durch die Kotsífou-Schlucht
und drehe am oberen Ende. Frank stellt sich auf den Beifahrersitz
und zwängt sich durch das Schiebedach hinaus, und dann
lasse ich den Wagen sanft wie ein rohes Ei wieder nach unten
rollen. Ich habe die Aufnahmen schon gesehen, sie sind sehr
gelungen. Allerdings hat sich Frank da draußen fast
den Ast abgefroren.
Weiter geht die Fahrt nach Rodákino,
wo ich für alle Fotografierer vor der berühmten
Brücke links ran fahre. Das war auch gut so, denn drei
Reisebusse schieben sich quälend langsam über die
Brücke, wir hätten sowieso keine Chance gehabt zu
passieren.
Dann aber ist die Strecke wieder frei. Ein Athener Mercedes
geistert als typischer Sonntagsfahrer durch Áno Rodákino
vor uns her, am Ortsausgang aber gebe ich dem kleinen Fiat
die Sporen und blase den Dicken mit der Hupe zur Seite. Die
Beschleunigung des Babies ist schon wirklich OK, wie wir auch
später wieder merken.
Weit reicht der Blick über die Kurven nach unten und
wir sehen einige Kilometer vor uns einen kleinen blauen Punkt,
der über die Straße kriecht.
"Was meint Ihr, wie lange brauchen wir, bis wir diesen
Wagen haben?"
"Sicher nicht lange ...", meinen die beiden lakonisch.
Zuerst aber stoppen wir noch mal, um eines unserer unzähligen
Kirchenfotos zu machen.
Kurz vor dem nächsten Dorf haben wir dann den Blauen
vor uns, eindeutig mit Touristen besetzt. Ich komme wohl so
zügig von hinten angeflogen, dass die Fahrerin lieber
gleich rechts ranfährt. Das wäre nun aber wirklich
nicht nötig gewesen!

In Chóra Sfakíon wird es nun
aber Zeit, etwas zu essen. Wir schlendern über die Uferpromenade
von Chóra Sfakíon, denn wir haben Hunger. Vor
einem Lokal namens "Samaria" sieht die Wärmetheke
sehr interessant aus. Aber bleib mal kurz stehen, schon hast
Du einen Werbemann an der Seite. Wortreich beschreibt er uns
auf Englisch die wirklich lecker aussehenden Speisen! Frank
und Chelmiii verlassen sich auf mich und sagen gar nichts.
Ich unterbreche den Wortschwall: "Ke ti íne avtó
edó?" (und was ist das hier?). Der Mann ist kein
Dummkopf! Augenblicklich wechselt er in die griechische Sprache
und erklärt alles noch mal! Damit imponiert er mir, denn
gerade in Touristengegenden merken die Kreter oft überhaupt
nicht, wenn man mit ihnen in ihrer Sprache spricht. Und außerdem
sieht alles, wie schon erwähnt, lecker aus. Ich äußere
noch ein paar Sonderwünsche bezüglich der Beilagen,
was natürlich kein Problem ist. Langer Rede kurzer Sinn:
Es ist zwar wohl kein Feinschmeckerlokal, aber wir haben trefflich
gut gegessen (vor allem Franks "Plaki" - gegrillte
Fischstücke - war ungemein lecker und auch Chelmiii und
ich fanden unsere für griechische Verhältnisse mit
viel Pfeffer gewürzten Keftedákia in Sauce sehr
gut) und uns dazu das zweite Mythos des Tages schmecken lassen.
Und nun auf in die Berge! Die Serpentinen oberhalb von Chóra
Sfakíon sind schon eine Wucht. Bedauernd sehe ich,
dass sich ein Stück (ein Kilometer) vor uns ein Bus den
Berg hinaufquält.
"Hinter dem hängen wir jetzt bis 'Imbros, außer
er ist ein netter Kerl!"
Wir laufen tatsächlich schon wenig später auf den
Bus auf, die engen Kurven machen ein Überholen unmöglich.
Doch dann ... ein kleines Stück nur fast gerade Strecke,
der Bus nimmt das Gas weg und fährt scharf rechts ...
ein netter Kerl!!!
Frank meint nur: "Das schreibe ich mir auf! Das man hier
einen Bus überholen kann, hätte ich niemals geglaubt!"
Na, es ging nur mit der Mithilfe des Fahrers.
Ca. einen Kilometer hinter Ímbros
biegen wir rechts ein und schrauben uns mit der Straße
ins Gebirge hinauf. Der Blick hinunter wird atemberaubend,
aber ich muss auf die vielen Steine achten, die auf der Asphaltstraße
liegen. Angeblich werden diese Steine von Ziegen heruntergetreten
... aber gibt es hier überall so viele Ziegen???
Die Wolken hängen tief, aber wir können trotzdem
im Tal Ásfendos erkennen. Während
wir durch die Serpentinen herunterrollen, erzähle ich
den beiden ein Erlebnis, das ich eine Woche zuvor in diesem
Dorf hatte: "Hier gibt es nirgendwo ein Hinweisschild,
wo es nach Argyroúpolis weitergeht. Ich bin also einfach
nach Gefühl unten links abgebogen - Ihr könnt die
Straße von hier aus erkennen - war dann aber unsicher.
Da stand dann ein junger Mann neben einer Betonmischmaschine,
und ich fragte ihn, ob dies denn die richtige Straße
nach Argyroúpolis sei. Erst einmal hat er mich völlig
verständnislos angeschaut und ich dachte, es müsse
ein Albaner oder Bulgare sein, aber dann antwortete er, nein,
da sei ich vollkommen falsch! Nun vollkommen konnte nicht
sein, also fragte ich ihn, wie denn das nächste Dorf
heiße. Nun, auch das wusste er nicht, erst ein Ruf ins
Innere des Hauses brachte Aufklärung. Es heiße
Kallikrátis und genau da wollte ich
ja auch hin! Ist es nicht witzig, dass er nicht mal den Namen
des Nachbardorfs kennt?"
Das fanden die beiden auch. Als wir durchs Dorf fuhren und
natürlich links einbogen und um die Ecke kamen, wen sahen
wir? Den Knaben an der Mischmaschine (wo er also nun 8 Tage
beschäftigt war!!!) Für einen kleinen Moment spielte
ich mit dem Gedanken, das gleiche Fragespielchen noch einmal
zu betreiben, fand das dann aber gemein und ließ es
sein.
Auf der Passhöhe oberhalb von Asigoniá
stoppten wir aus drei Gründen:
1. Die Zigarettenpause (im Auto wurde nicht geraucht)
2. Fotografieren des malerisch zerschossenen Schildes
3. Pinkelpause (aufpassen, es blies ein heftiger und kalter
Wind, also schnell wieder rein in die gute kleine Stube)
Und dann gab es noch einen vierten Grund: "Frank, mach
die Kamera bereit, jetzt kommen die besten Serpentinen des
Tages!"
Dieses Mal blieb Frank im Auto sitzen, draußen oben
war es zu kalt. Und beim Ansehen der Filmaufnahmen durch die
Frontscheibe kann einem schlecht werden.
Asigoniá ist als Widerstandsnest gegen
die Türken bekannt, denn es war gut zu verteidigen. Dies
erkennt man, wenn man durch das Tal hinunter fährt. Es
ist idyllisch grün, aber eng.
Unten biegen wir nach rechts über eine Brücke Richtung
Argyroúpolis ein und besichtigen natürlich die
berühmten Wasserfälle. Klar, sie
sind schön, aber nicht mit der Quelle des Megalopotamós
zu vergleichen.
Frank und ich kletterten fast bis zum Dorf hinauf, weil wir
zu blöd waren, die Wasserfälle zu entdecken, da
oben war allerdings überhaupt nichts. Chelmiii blieb
zurück, weil er "die falschen Schuhe anhatte".
Ich konnte es natürlich nicht lassen, als wir wieder
herunter kamen:
"Chelmiii, du musst unbedingt da rauf. Du glaubst gar
nicht, wie toll es da ist!"
Trotz der falschen Schuhe gab er sich einen entschlossenen
Gesichtsausdruck und wollte losziehen, aber ich habe ihn aufgeklärt:
Die Wasserfälle sind gleich unten links neben der Treppe.
Nach den obligatorischen Fotos genehmigten wir uns das dritte
Mythos des Tages.
Und dann wollte ich eine Strecke ausprobieren, die ich noch
nicht kannte: Von hier aus sollte es eine recht neu asphaltierte
Straße hinunter nach Plakiás geben! Tatsächlich?
Tatsächlich fanden wir im Ort oben ein Hinweisschild
und folgten ihm. Es gibt die Straße tatsächlich.
Wir kamen tatsächlich in Kalí Sikiá
an und fuhren von dort aus über Ágios
Ioánnis zurück zur Hauptstraße
von Réthymnon nach Spíli.
Und dann war wieder ein Reisebus vor uns, der weniger kooperativ
war, als der bereits erwähnte. Immer, wenn es mal ein
Stück geradeaus ging, fuhr er penetrant in der Mitte
der Straße!
Aber irgendwann hatte er doch ein Erbarmen und ließ
uns vorbei!
Zurück auf der neuen Straße von Réthymnon
Richtung Agía Galíni zur Abwechslung mal ein
Stück Kreta-Highway. Der Cinquecento schnurrt zufrieden
dahin, obwohl ihm die vielen Kurven, Steigungen und Gefälle
bis jetzt wenig ausgemacht haben.
Und dennoch mache ich kurz vor Spíli einen Vorschlag:
"Was ist jetzt, fahren wir auf der neuen Straße
durch bis Agía Galíni, dann kriegen wir in 20
Minuten ein kühles Bier! Oder ich biege noch mal auf
der anderen Seite in die Berge hinauf, dann wird es mindestens
ein bis zwei Stunden später."
Die Antwort lautet trotz der Drohung unisono vom Beifahrersitz
und von der Rückbank: "Abbiegen, der Weg ist das
Ziel!" Obwohl ... ich sehe im Rückspiegel, wie Chelmiii
immer mal wieder seine Oberschenkel massiert. Nun ja, die
Rückbank, auch wenn man sie für sich alleine hat,
ist nicht der komfortabelste Platz im Cinquecento.
Also, kurz hinter dem Ortseingang von Spili
- gegenüber des Priesterseminars - biege ich links ab
Richtung Gergéri. Wieder geht es steil und in teils
engen Kurven nach oben. Rechts unter uns tut sich der Panoramablick
auf Spíli auf. Rechts ranfahren und stoppen: Fototermin
(einige der Fotos waren ja schon im Kreta-Forum zu bewundern).
Während wir die diversen Auslöser betätigen
- Frank filmt natürlich auch, aber er filmt immer nur
die Landschaft und nicht Chelmiiis Schuhe - kommt ein anderer
kleiner Leihwagen den Berg hinunter. Auch dieser bremst sofort,
als er uns hantieren sieht, heraus springt ein kleiner Chinamann
mit mindestens drei Kameras. Denn wo gleich drei Leute am
Straßenrand und in der Macchia herumgeistern, muss es
was zu fotoglafielen geben. Wenig später zieht er zufrieden
wieder ab und auch unser Auto schraubt sich über den
Kédros hinauf. Ziemlich weit oben fahre ich extra vorsichtig,
denn ich erinnere mich mit Schrecken, dass es hier 2001 eine
ebenso überraschende wie brutale Querrinne gab, die mir
sicherlich seinerzeit die Vorderachse gebrochen hätte,
hätte ich keinen hartbeinigen Suzuki Samurai unter dem
Hintern gehabt. Entwarnung, die Rinne ist entschärft.
In Gergéri biegen wir rechts ein
und rollen die alte kurvenreiche Straße über Áno
Méros wieder zu Tal gen Süden. Als wir
durch Áno Méros fahren, erzähle ich natürlich
die Geschichte, wie wir mit einem alten Freund, der sicherlich
längst gestorben ist, öfter oberhalb des Dorfes
beim Kirchlein "Kaloídena" picknicken waren
(zu Fuß natürlich!).
Und dann glaube ich, etwas außerhalb des südlichen
Dorfausgangs einer Fata Morgana zu unterliegen: Eine schmale
Asphaltstraße führt im spitzen Winkel nach rechts
den Berg hinauf und da steht tatsächlich ein braunes
Schild, wie es auf Sehenswürdigkeiten hinweist: "Monasteri
Panagia Kaloidena"!
Kann das wahr sein, dass es da hinauf jetzt eine Straße
gibt? Wozu eigentlich? Aber das will ich jetzt wissen! Also
wenden und hinauf. Passenderweise beginnt es zu regnen. Da
macht das Sträßchen trotz Asphalt nur bedingt Spaß.
Und dann sind wir wirklich am Kirchlein, das wirklich die
Reste eines ehemaligen Klosters darstellt.

Es ist zumindest von außen schick restauriert,
die Glocke hängt frei draußen an einem Baum und
die Treppen hinunter sind die Picknickplätze erheblich
erweitert worden. Hier scheint also im Sommer durchaus viel
los zu sein. Momentan sah es noch wüst aus: Abgebrochene
Bäume und große Äste, die die Treppe blockierten,
der vergangene Winter war ja auch wirklich heftig.
Da es jetzt auch noch stärker zu regnen beginnt, packen
wir die Kameras ein und machen uns wieder vom Acker.
Der Rest der Tour verlief bis auf die weiteren zahlreichen
Kurven eher ereignislos. Chelmii fühlte sich auf seinem
Hinterbänkchen immer unwohler und auch die anderen beiden
begannen, sich allmählich auf das Ende der Fahrt zu freuen,
was ja nach 235 Kilometern auf kretischen Straßen, die
ja zumindest da, wo wir unterwegs waren, praktisch nur aus
Kurven bestehen, auch irgendwo verständlich war.
Und außerdem, da wartete doch jemand auf uns: Einige
Gläser frischgezapftes Mythos auf Frank und mich, auf
Chelmii der Wein und auf alle ein reichliches und gutes Essen
bei Antónis. Und als nach dem Essen die Flasche Rakí
auf den Tisch gestellt wurde, da hat nicht einmal Chelmiii
einen getrunken.
Das fanden wir sehr gut: Denn wir waren vorher überein
gekommen, dass die drei Mann zusammen auf Tour gehen ... aber
(nur) zu Kirchen, Klöstern, Kurven und Kwellen ...
Und wie endet dieser Bericht? Wie alle griechischen Märchen
(denn die Tour war zwar durchaus sehr real, kam uns aber bei
dem Spaß, den wir dabei hatten, auch wie ein Märchen
vor. Es war zwar nicht die einzige Fahrt, die wir zusammen
unternahmen, aber ich glaube, es war die Schönste!):
"Sie lebten gut und wir noch besser!"
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